Das Generationenprinzip

Die medizinische Versorgung durch das staatliche Gesundheitswesen ist in Thailand bei weitem nicht so ausgebildet und strukturiert, wie wir es in vielen europäischen Ländern kennen.

Da sich die Menschen in Thailand dieser Tatsache bewusst sind, wirkt sich dies auf das Zusammenleben in der Familie aus. Jeder Thai weiß, dass sich das Leben von einer Minute auf die andere aufgrund von Unfall, Arbeitslosigkeit oder Krankheit ändern kann und er dann auf die Hilfe oder Pflege von Angehörigen bzw. Mitmenschen angewiesen wäre. Daher ist der Rückhalt der Familie und der Dorfgemeinschaft sehr wichtig und die beste Überlebensstrategie für jeden Einzelnen.

Man geht in Thailand - entgegen der Realität - auch heute noch davon aus, dass jeder Einwohner des Landes Mitglied einer Großfamilie ist, die jeden Einzelnen im Notfall und im Alter auffängt und dessen Versorgung übernimmt. So gilt es in Thailand als völlig normal, dass Krankenhauspatienten, die meist in großen Sälen mit teilweise mehr als 20 anderen Patienten untergebracht sind, von einem oder mehreren Angehörigen bzw. Freunden gepflegt und versorgt werden. Häufig bleiben die Familienangehörigen oder Freunde des Patienten auch über Nacht und schlafen neben dem Krankenbett auf bereitgestellten Liegen oder auf dünnen Matten, direkt auf dem Boden. Auch für die regelmäßigen Mahlzeiten des Patienten müssen Angehörige oder Freunde sorgen, da die staatlichen Krankenhäusern sich ausschließlich der medizinischen Versorgung und Betreuung widmen.

Doch leider fallen immer mehr Menschen durch dieses ursprüngliche Generationsprinzip. Wie überall auf der Welt hat auch hier der s.g. Fortschritt Einzug gehalten und so sind auch in Thailand die Themen Arbeitslosigkeit, sinkende Geburtenraten, steigende Lebenserwartung und ständig steigende Lebenshaltungskosten allgegenwärtig.

Immer mehr junge Menschen müssen aus beruflichen Gründen den Wohnort wechseln und lassen somit ihre Familie, also ihre Eltern allein zurück. Zwar schicken viele dieser jungen Leute einen Teil ihres Einkommens nach Hause, aber die Summen werden immer kleiner, da ja auch der Lebensunterhalt am neuen Arbeitsplatz beglichen werden muss.

Zusätzlich entschließen sich immer mehr junge Paare unter wirtschaftlichen Aspekten dazu, Kleinfamilien mit nur einem oder zwei Kindern zu gründen.

Dies alles führt dazu, dass viele alte Menschen in ihren Dörfern allein zurückbleiben und nicht mehr ausreichend versorgt werden können.

Zwar gibt es seit einigen Jahre eine Art staatlichen Rentenfond, aus dem jedoch bisher nur Regierungs- und Militärmitarbeiter profitieren.

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